
Quelle: Westdeutsche Zeitung vom 23.09.2011
Es ist offiziell, Hans Günter Bruns ist neuer Trainer beim Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV. Der 56-Jährige Ex-Profi, zuletzt bis Februar Trainer bei Rot-Weiß Oberhausen, erhält einen Vertrag bis Juni 2013, der sowohl für die Dritte, als auch für die Regionalliga gilt. "Ich betone noch einmal, dass ich unserem alten Trainer Karsten Hutwelker nichts vorzuwerfen habe, außer dass wir einfach zu wenige Punkte haben", hob Verwaltungsratsmitglied Dietmar Grabotin bei der Vorstellung von Bruns hervor.
Mit Bruns habe man einen erfahrenen Trainer gewonnen, der in Oberhausen schon einmal erfolgreiche Aufbauarbeit geleistet habe. "Wir schauen von Spiel zu Spiel und werden dann im November sehen, was noch möglich ist", sagte Bruns, der sich anschließend der Mannschaft vorstellte. Am Wochenende ist der WSV spielfrei. Die nächste Aufgabe in der Liga wartet am 1. Oktober mit der Auswärtspartie beim VfL Bochum II. Bruns bestritt als Spieler 366 Erstliga-Spiele für Schalke, Düsseldorf und Gladbach und brachte es auf vier A-Länderspiele auf der Liberoposition. Er wohnt in Oberhausen und begann seine Trainerkarriere bei der SSvg Velbert, ehe er nach Oberhausen wechselte, die er aus der Oberliga in die Regionalliga führte und später auch in der 2. Liga trainierte. Hans-Günter Bruns soll als neuer Trainer die Trendwende und
möglichst noch den Aufstieg schaffen. Vertrag bis 2013.
Hans-Günter Bruns nimmt die Herausforderung in Wuppertal an. Sein
Vertrag gilt für zwei Jahre – unabhängig von der Liga.
Schon Minuten vor der Pressekonferenz, bei der er als
neuer Trainer des Wuppertaler SV vorgestellt werden wird, sitzt
Hans-Günter Bruns in aller Ruhe in seinem himmelblauen Pulli auf
dem Podium und lächelt in die Kameras. Der Mann scheint in sich
selbst zu ruhen. 366 Bundesliga-Spiele, vier Länderspiele, als
Trainer mit Rot-Weiß Oberhausen den Durchmarsch aus der Ober- in
die Zweite Liga geschafft, was kann einen da noch schocken?
Diese Gelassenheit möchte er auch der Mannschaft vermitteln, die, wie er im Spiel gegen Elversberg erkannte, in der ersten Halbzeit total verunsichert agiert habe, bevor sich nach der Pause die Fesseln lösten. „Da liegt der Hase im Pfeffer“, analysiert der 56-Jährige, als der offizielle Teil der Pressekonferenz begonnen hat.
„Der WSV hat gute Einzelspieler, nur als Mannschaft müssen sie sich besser positionieren.“
Hans-Günter Bruns
Bruns soll die Trendwende schaffen, betonen Verwaltungsrat Sport Dietmar Grabotin und Vorstandsmitglied Lothar Stücker. Sie haben in Abwesenheit von Präsident Friedhelm Runge (geschäftlich in China) und Sportvorstand Jörg Albracht (Knieoperation) die Verhandlungen geführt. Konkret seit dem Wochenende, nachdem der WSV in Gladbach verloren hatte.
„Ich möchte noch einmal betonen, dass wir Karsten Hutwelker nichts vorzuwerfen haben, bis auf die Tatsache, dass wir zu wenige Punkte haben“, schickt Grabotin dem alten Trainer noch einen Gruß hinterher und denkt laut darüber nach, dass man vor der Saison vielleicht personell zu viel verändert habe.
Mehr Kontinuität wolle man künftig demonstrieren,
versichert Lothar Stücker. Dass der Vertrag für Bruns bis 30.
Juni 2013 datiert wurde und für die 3. und die 4. Liga gilt, soll
ein deutliches Zeichen setzen.
Natürlich soll Bruns wenn möglich noch in dieser Saison den Weg nach oben schaffen, doch auch hier bleibt er ruhig. „Wir denken jetzt von Spiel zu Spiel und schauen dann im November oder Dezember, was noch möglich ist“, sagt der 56-Jährige. Seine Charakterisierung als Trainer liefert er gleich mit: „Ich bin sehr gradlinig, nicht immer bequem, aber den Spielern gegenüber sehr offen. Sie werden aber auch merken, wo ihre Grenzen sind.“
Ab sofort immer mit zwei Stürmern
Auf einen Systemwechsel auf zwei Stürmer müssen sich seine Spieler einstellen. Den Versuch von Kasten Hutwelker, der lange am 4 – 2 – 3 – 1-System festgehalten hatte, erklärt Bruns für beendet. „Ich glaube, dafür haben wir die Mannschaft nicht.“ Auch der Ruf nach einem Zehner und einem Linksfuß, die Hutwelker gefordert hatte, ist von Bruns nicht zu hören. „Ich gehe davon aus, dass ich im Moment keinen neuen Spieler brauche. Der WSV hat sehr gute Einzelspieler, nur als Mannschaft müssen sie sich besser positionieren.“ Bis zum nächsten Pflichtspiel am 1. Oktober in Bochum bleiben ihm noch neun Tage, die Mannschaft kennenzulernen und einzustellen. Sagte es und entschwand in die Kabine, wo er den Spielern vorgestellt wurde und gleich anschließend zur ersten Einheit bat.
Die dürften zumindest das berühmte „Nicht-Tor“ ihres Neutrainers bereits kennen, das im Internet auf You-tube ein großes Publikum hat. Auch damals, nach einem Spurt über das ganze Feld in München und einem strammen Schuss, blieb Bruns erstaunlich gefasst, als der Ball nach zweimal Innenpfosten wieder aus dem Tor sprang.